Baltic Beatz
Virtuelles Festival zu Ostern
OZ, 28.02.2022 - Katrin Zimmer

30 Stunden lang wird aus der ehemaligen Disco Nightparc in
Rostock gesendet / Einnahmen werden gespendet

Es ist noch nicht ganz dasselbe wie früher, aber es soll wenigstens
wieder ein bisschen Partystimmung verbreiten: Ein virtuelles
Festival veranstalten eine Reihe Rostocker DJs in diesem Jahr zu Ostern.
Der Clou: Jeder kann sich die Musik über den Live-Streaming-
Dienst Twitch ins eigene Wohnzimmer oder den Partyraum holen und
damit auch noch etwas für den guten Zweck tun.
„Für viele ist Ostern eigentlich der Auftakt der Festival-Saison. Da
wurde in Rostock immer das Kommt-Zusammen-Festival gefeiert“,
sagt Patrick Tempel. Was er meint, sind mehrere Abende, an denen
sich die Clubbetreiber in der Hansestadt zusammengeschlossen haben.
Wer ein Ticket erworben hatte, konnte von Diskothek zu Diskothek
ziehen, sogar ein Shuttlebus verband die Clubs.
Da die Corona-Pandemie die Partynächte in den vergangenen Jahren
stark eingeschränkt hat und die Szene teilweise völlig zum Erliegen
brachte, fiel das alles weg. „Deswegen haben wir uns überlegt, was
wir alternativ machen können. Auch, um zu zeigen: Wir sind noch da“,
sagt Kai Gutzmann alias DJ Keule. Er betreibt inzwischen seit mehr
als zwei Jahren den Kanal Baltic_Beatz auf dem Live-Streaming-
Portal Twitch.
Dort soll zu Ostern auch gesendet werden – 30 Stunden lang, aus
dem ehemaligen Nightparc in Rostock. Früher hat Gutzmann oft dort
aufgelegt. Die Diskothek im Warnow Park im Stadtteil Lütten Klein
dürfte den Älteren auch noch unter dem Namen „Fun“ oder „Lollipop“
bekannt sein. 2015 war sie geschlossen worden und wartet seitdem
auf eine weitere Nutzung.
Die soll sie jetzt zunächst zu Ostern bekommen. „Wir haben Center-
Manager Frank Middendorf einfach mal gefragt, ob wir da rein dürfen
und er fand die Idee super“, so Tempel, der in Rostock einen eigenen
Podcast betreibt und unter anderem auch die Sitzungen der Bürgerschaft
in einen Livestream bringt. „Die Technik ist also da“, sagt Tempel
hinsichtlich des geplanten virtuellen Festivals. Den 30-Stunden-
Marathon werden die beiden natürlich nicht allein bestreiten. Sieben
DJs, die meisten davon aus Rostock, haben bereits zugesagt, zehn
oder zwölf werden es am Ende wohl insgesamt, schätzt der junge Unternehmer.
Musikalisch soll für jeden etwas dabei sein – Partymusik
eben – und zur besten Sendezeit am Abend sollen sogar Musikwünsche
über das Portal entgegengenommen werden, so Tempel.
Dort können Zuschauer dann auch eine kleine Spende abgeben, anstelle
des Eintrittspreises sozusagen. Die Erlöse gehen an wohltätige
Zwecke: das Projekt „Mike Möwenherz“ der Universitätsmedizin Rostock,
bei dem Kinder mit unheilbaren Erkrankungen und deren Familien
unterstützt werden, den Alzheimer Landesverband MV sowie die
Rostocker Tiertafel.
Für den guten Zweck gespendet werden kann über das Portal auch
schon, bevor der Party-Marathon startet. „Ich würde mich freuen,
wenn die Summe vierstellig wird“, so Gutzmann alias DJ Keule. Und
je nachdem, wie gut das Format angenommen wird – das zeigen
auch die Klickzahlen im Netz ganz unmittelbar – könne er sich vorstellen, es zu wiederholen. Doch erstmal steht zu Ostern die Premiere an. Starzeit: Karsamstag um 18 Uhr.
Gewinner des Jahres 2020
Gewinner des Jahres 2020
NNN/NOZ, 02.01.2021 - Vincent Buss

Die Corona-Pandemie hat 2020 alle Menschen vor Herausforderungen gestellt. Aber während der Krise sind auch gute Dinge passiert. Fünf Menschen erzählen von ihren positiven Erfahrungen - vom eigenen Laden, über mehr Selbstbewusstsein bis zur stärkeren Bindung zu ihrer Familie.

[...] Patrick Tempel hatte große Erwartungen an das Jahr 2020. Der 33-jährige Rostocker produziert Videos von Veranstaltungen. Im September 2018 gründete er sein Kleinunternehmen, 2019 – das erste volle Jahr – stimmte ihn optimistisch.
Dann kam Corona und die Veranstaltungen blieben aus. „Es lief doch eigentlich gerade gut“, dachte Tempel enttäuscht. Doch ihm kam eine Idee. Zufällig hatte er sich schon im Januar am Livestream einer Veranstaltung versucht. Wenn keine Besucher mehr zu Events kommen dürfen und die deshalb ausfallen, könnten doch die Events zu den Besuchern kommen. Also schaffte sich der 33-Jährige die passende Technik an.
Eigentlich war Tempel es gewohnt, dass Organisatoren auf ihn zugingen. „Die Geschichten kamen von alleine“, erinnert er sich. Doch nun ging er wieder auf die Veranstalter zu und bot ihnen seine Dienste an.
Es funktionierte: Er machte unter anderem Livestreams für die Rostocker Bürgerschaft, die Landesministerien und den Flughafen Rostock-Laage.
„Fernsehniveau“ haben die Übertragungen zwar noch nicht, wie Tempel sagt. Dafür bräuchte er mehr Geld und Personal. Doch es läuft trotzdem: Seinen Umsatz aus 2019 hat er nach eigenen Angaben sogar übertroffen.
Einerseits habe die Krise ihm gezeigt, dass sich alles immer ändern könne. Andererseits aber auch: „Wenn man sich Gedanken macht und etwas Glück hat, kann so etwas gut ausgehen.“
Falls das Geschäft mit den Livestreams weiterhin so läuft wie bisher, glaubt Tempel, dass er vielleicht sogar gestärkt aus der Krise kommt. Selbst, wenn es vorerst keine Events mit Besuchern mehr gibt. [...]

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